Kita-Sozialarbeit im Verbund St. Nikomedes: Früh ansetzen, Familien stärken, Kitas entlasten

Ein Kind kommt ohne Frühstück in die Kita. Eine Mutter ringt nach einer Trennung um Halt. Ein Vater verzweifelt am Antragsdschungel. Situationen wie diese gehören zum Alltag – und genau hier setzt die Kita-Sozialarbeit an: Sie hört zu, begleitet, vermittelt und unterstützt, bevor Probleme eskalieren.

Der Kindergartenverbund St. Nikomedes stellte nun seine Zwischenergebnisse im Rahmen eines Arbeitsgesprächs vor. Verbundleitung und Trägervertreterinnen präsentierten die aktuellen Erfahrungen und Entwicklungen gegenüber Abgeordneten des Landtags sowie Vertreterinnen und Vertretern von Jugendhilfe, Verwaltung und Kirche. Der Austausch machte deutlich, welchen Stellenwert die Kita-Sozialarbeit für Familien, Kitas und das gesamte Hilfesystem bereits heute hat.

 

Politischer Besuch unterstreicht Bedeutung der Arbeit

Auf Einladung der Kirchengemeinde St. Nikomedes nahmen unter anderem die Landtagsabgeordnete Christina Schulze Föcking und der Bürgermeister der Stadt Steinfurt, Christian Franke, am Austausch teil. Ebenfalls vertreten waren Mike Hüsing, Leiter des Kreisjugendamtes Steinfurt, sowie Florian Dudek, Abteilungsleiter für den Bereich Kindergarten und Kindertagespflege. Seitens des Trägers nahmen Pfarrer Dr. Ludger Kaulig, Diakon Tobias Beck sowie der Leiter der Zentralrendantur, Tobias Mühlhause, teil. Die Verbundleitung war durch Yvonne Rademacher und Ansgar Kockmann vertreten.

Christina Schulze Föcking hob hervor, dass die Kita-Sozialarbeit Familien früh unterstützt, Fachkräfte entlastet und wichtige Brücken zwischen Kita, Jugendhilfe und Gesundheitswesen baut. Dabei hob sie hervor, wie wesentlich die enge Verzahnung und Zusammenarbeit mit dem Jugendamt ist, damit Unterstützung frühzeitig und wirksam greifen kann. Aus den Erfahrungsberichten wurde deutlich, wie sehr Eltern auf verlässliche Ansprechpersonen angewiesen sind – besonders in herausfordernden Situationen.

Bürgermeister Christian Franke betonte, dass das Wohlergehen der Kinder in der Stadt Steinfurt höchste Priorität habe. Mit Blick auf die geschilderten Erfahrungen machte er deutlich, wie wichtig es sei, genau hinzuschauen, wo Kitas entlastet und Familien gestärkt werden können. Zugleich verwies er auf die aktuell sehr knappen finanziellen Ressourcen in Kommunen und Jugendhilfe – eine Rahmenbedingung, die die Weiterentwicklung neuer Angebote erschwert, den Bedarf an zielgerichteter Unterstützung jedoch nicht schmälert.

Für die Teilnehmenden bot der Termin zudem Gelegenheit, praxisnahe Eindrücke aufzunehmen und mitzudenken, wie die Strukturen trotz der finanziellen Herausforderungen weitergeführt und perspektivisch verstetigt werden können.

 

Kita-Sozialarbeit im Alltag: Unterstützung, die wirkt

Die Rückmeldungen aus den Kitas und aus vielen Gesprächen mit Familien zeigen, wie wertvoll die Kita-Sozialarbeit in der täglichen Praxis ist. Sie schafft Zeit zum Zuhören, hilft bei Unsicherheiten und nimmt Eltern wie auch Fachkräfte in belastenden Situationen ernst.

Ansgar Kockmann, Verbundleiter und Projektverantwortlicher, fasst es zusammen: „Wir erleben jeden Tag, dass kleine Interventionen große Wirkung haben. Wenn Eltern spüren, dass wir gemeinsam mit ihnen nach Lösungen suchen, entsteht Vertrauen – und dieses Vertrauen stabilisiert ganze Familiensysteme. Gleichzeitig entlastet die Kita- Sozialarbeit unsere Teams spürbar, weil sie fachliche Unterstützung bietet und Wege aufzeigt, die im normalen Kita-Alltag leicht untergehen würden.“

Dieses direkte Erleben von Veränderung und Entlastung ist für die Mitarbeitenden ebenso sichtbar wie für die Familien, die Unterstützung erhalten.

 

Schulsozialarbeit ist Standard – Kita-Sozialarbeit muss es werden

Was in Schulen längst selbstverständlich ist, fehlt vielerorts im frühkindlichen Bereich. Die Herausforderungen beginnen jedoch deutlich früher. Wer Chancengerechtigkeit wirklich stärken will, muss Kita-Sozialarbeit als festen Bestandteil frühkindlicher Förderung verstehen.

Der Kindergartenverbund St. Nikomedes und die beteiligten Fachstellen appellieren daher an Politik und Verwaltung, die strukturellen Voraussetzungen zu schaffen, damit diese Form der Unterstützung langfristig gesichert bleibt. Aus der Politik kam die Zusage, das Modell trotz finanziell angespannter Lage weiter aufmerksam zu begleiten und realistische Perspektiven für die Zukunft mitzudenken. Christina Schulze Föcking kündigte zudem an, zeitnah einen Hospitationstag in der Praxis zu absolvieren, um die Arbeit noch näher kennenzulernen.

Fazit: Kita-Sozialarbeit schafft Chancen – und braucht Zukunft

Der Austausch mit Politik, Verwaltung und Kirche machte deutlich: Kita-Sozialarbeit wirkt. Sie stärkt Familien, schützt Kinder, entlastet Fachkräfte und verbessert die Zusammenarbeit im gesamten Hilfesystem.

Damit aus einem erfolgreichen Ansatz ein dauerhafter Standard wird, braucht es nun verlässliche strukturelle Entscheidungen – auch unter engen finanziellen Rahmenbedingungen. Denn: Kinder können nicht warten.