Kreuzerhöhung am 14. September 2020

Viele Gläubige versammelten sich am Montagabend auf dem Vorplatz der St. Nikomedes-Pfarrkirche, um das Fest "Kreuzerhöhung" auf eine ganz besondere Weise zu begehen.

Zuvor versammelten sich einige Gruppen an vier Kapellen in Borghorst, um dort kurze Wortgottesdienste zu feiern.

Vereine, Verbände und kirchliche Institutionen hatten im Vorfeld für dieses Fest Kreuze im Zeichen der Corona-Pandemie gestaltet.
Während auf die Corona-Krise zugeschnittene Texte zu den 14 Kreuzwegstationen vorgetragen wurden, wurden 30 unterschiedlichste Kreuze nach und nach auf der Rasenfläche vor der Kirche plaziert. Musikalisch begleitet wurDe der Abend von Markus Lehnert und Raimund Schnaars an der Trompete.

Ein besonderer Kreuzweg zum Fest Kreuzerhöhung am 14. September 2020

Station 1: Jesus wird zum Tod verurteilt
Händewaschen ist angesagt. Es kann uns vor Ansteckung schützen. Nicht aber das Händewaschen des Pilatus. „Ich wasche meine Hände in Unschuld“ bedeutet: Es geht mich nichts an. Aber das Leiden, gerade unter dem Corona-Virus, geht uns alle an.
Wir beten für alle vom Corona-Virus Betroffenen, für alle Erkrankten und ihre Angehörigen.

Station 2: Jesus nimmt das Kreuz auf sich
In diesen Zeiten hat jeder, hat jede ein besonderes Kreuz zu tragen. Erkrankung, Quarantäne, Getrenntsein von lieben Menschen, Existenzsorgen, Angst, weniger Einkommen, Einsatz bis zum Letzten und Überforderung.
Wir beten für uns alle um Kraft zum Durchhalten in dieser Zeit, deren Ende noch nicht abzusehen ist.

Station 3: Jesus fällt zum ersten Mal
Positiv getestet. Was bedeutet das? Wie wird es ausgehen? Kann mir geholfen werden? Bleibe ich liegen? Wie geht es denen, die an anderen Krankheiten leiden?
Wir beten für alle, die krank sind und Probleme mit der medizinischen Betreuung haben.

Station 4: Jesus begegnet Seiner Mutter
Persönliche Begegnungen waren stark eingeschränkt und sind es zum Teil immer noch. Mehr geht über Telefon. Manche Mutter, mancher Vater wartete vergeblich auf Besuch und verstand vielleicht gar nicht den Grund.
Wir beten für alle unsere Lieben, die weniger Besuch bekommen als früher und für alle, die sich in dieser Zeit der Pflegebedürftigen annehmen.

Station 5: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
Applaus für die Helfenden gab es abends an vielen Orten: Medizinisches Personal, Pflegende und viele Einsatzkräfte leisteten zum Teil Übermenschliches.
Wir beten für alle, die in dieser Zeit die Grundversorgung, die medizinische Betreuung, die Kommunikation und andere Dienste aufrecht erhalten haben und für alle, die sich freiwillig dafür engagierten.

Station 6: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
Zeichen der Aufmerksamkeit tun gut. Der eine verschenkte eine Schutzmaske, ein anderer telefonierte und ermunterte, es gab junge Menschen, die kauften ein.
Wir sind dankbar, dass es viele persönliche „Veronikas“ gab.
Wir beten für die Menschen, die uns zeigten, dass wir in dieser schweren Zeit nicht allein waren und sind.

Station 7: Jesus fällt zum zweiten mal
In Krisenzeiten erleben wir ein Auf und Ab. Es geht nicht so schnell wie erhofft, dass wieder „Normalität“ einkehrt.
Immer wieder kommen neue Nachrichten, die erschüttern, die Geduld einfordern und die unser Leben ändern.
Wir beten für die Menschen in jenen Ländern, die von Corona besonders stark und leidvoll betroffen sind.

Station 8: Jesus begegnet den weinenden Frauen
Hoffnung und Verzweiflung sind in dieser Zeit ganz nahe beisammen. Viele bange Fragen tun sich auf, wie es überhaupt weitergehen wird. Wir beten für alle, die Verantwortung tragen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Religion, sowie für alle, die Lehren aus dieser Krise ziehen.

Station 9: Jesus fällt zum dritten Mal
Menschen, die kein Zuhause haben, obdachlos sind, ganz auf Hilfe angewiesen sind, werden doppelt und dreifach getroffen, wenn auch das Hilfeleisten schwerer wird.
Wir beten für die Obdachlosen und die Flüchtlinge, für alle, die in Armut leben und beten für alle Einrichtungen, die ihnen Hilfe anbieten.

Station 10: Jesus wird Seiner Kleider beraubt
Es trifft zahllose kleine Unternehmer, mittlere und große Betriebe. Kein Einkommen bei weitergehenden Zahlungen. Existenzkrise, Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit für die Mitarbeitenden.
Wir beten für jene, denen alles genommen scheint, die nicht wissen, ob und wie es mit dem Geschäft, dem Betrieb, dem Unternehmen, dem Arbeitsplatz, der Existenzgrundlage weitergeht.

Station 11: Jesus wird ans Kreuz genagelt
Wir alle sind festgenagelt in dieser Krise. Wenn wir auf den ans Kreuz genagelten Jesus schauen, sehen wir einen Leidenden. Wir sehen die Wunden, aber auch die ausgebreiteten Arme und das offene Herz.
Wir danken im Gebet für alle Liebe, die wir im Leid erfahren, für die Familie, mit der wir mehr als gewohnt zusammen waren.

Station 12: Jesus stirbt am Kreuz
„Mein Gott, mein Gott, warum hat du mich verlassen“, betet Jesus, ehe ER mit einem lauten Schrei stirbt.
Unsere Welt erlebte in diesem Jahr einen Karfreitag, den wir sicherlich nicht so schnell vergessen können.
Wir tragen im Gebet mit Jesus die Frage nach dem „Warum“ vor den göttlichen Vater, dem wir uns auch in scheinbarer Abwesenheit anvertrauen können. Wir schweigen einen Augenblick.


Station 13: Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in Mariens Schoß gelegt
Wie wird es sein, wenn die Bedrohung durch das Corona-Virus einmal vorbei sein sollte? An welchen Folgen werden wir noch lange leiden? Durch welche Erfahrungen kann sich etwas zum Positiven für unser Miteinander, für unser Glauben und Beten, für die Rettung der bedrohten Schöpfung ändern?
Wir beten um einen guten Weg für unsere Welt, dass sie voll Hoffnung in die Zukunft geht.

Station 14: Jesus wird ins Grab gelegt
Selbst das Begraben unserer Toten war ganz schwer und konnte nur im kleinsten Kreise geschehen. Doch es bleiben Dankbarkeit und Liebe über den Tod hinaus.
Wir beten für unsere Verstorbenen und dafür, dass der Glaube an die Auferstehung uns allen die Gewissheit gibt, dass auch der schwere Stein der Corona-krise einmal weggewälzt sein wird.

Wir haben heute Abend über die Botschaft des Kreuzes nachgedacht. Wir sind auf unserem Kreuzweg dem begegnet, dessen Liebe, Solidarität und Barmherzigkeit keine Grenzen kennt: Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen.

So wollen wir zum Schluss beten, wie Jesus uns zu beten lehrte. Wir tun dies auch für und mit allen, die zu Hause mit uns beten:

VATER UNSER…

(Kreuzwegtext: nach Herbert Messner, Sonntagsblatt Steiermark 2020)